Kieselsteine

  • Wert der Arbeit

    Am 7. April 2026 erschien hier der letzte Artikel. Er war aus Band 3 der Kieselsteinchen-Reihe. Ich arbeite gerade an Band 5. Eine zeitlang habe ich hier täglich einen Artikel aus der Reihe eingestellt. Sie waren identisch aus den Büchern. Das Ergebnis dieses Verschenkens schaut dann so aus:

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    Arnold Schiller: 100 Kieselsteinchen

    ISBN: 9783565072217
    epubli-ID: 193958

    VertriebskanalMengenetto
    andere Shops10,76 €Details

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    Das deckt dann nicht mal die Domain- und Hostingkosten. Das Verschenken hat also den Effekt, dass ich zusätzliche Arbeit habe und es nichts bringt.

    Tatsächlich ist auch das Einstellen Arbeit. Bei welchem Artikel bin ich stehen geblieben? Was ist der nächste Artikel? Material ist ja genug da. Das ich nach einem halben Jahr aufgehört habe, werfe ich mir nicht vor. Hinzukommt die KI indiziert schnell und macht Zusammenfassungen meiner Texte. Hier kommt vermutlich eh keiner vorbei. Wozu also die Arbeit?

  • Angst vor Gleichheit und die Zerstörung des Mittelstands

    Die Eliten höhlen die Würde des Menschen Stück für Stück aus, weil es ihnen nicht passt, dass alle Bürger die gleichen Rechte haben sollen. Sie fürchten darum, dass ihre Kinder weniger Chancen haben, wenn alle gleiche Chancen erhalten – also muss die Macht gesichert werden. Dass die Zivilisation darüber zugrunde gehen könnte, ist ihnen gleichgültig.

    Am Anfang wollen viele beim Schutz des Systems dabei sein. Doch während die Konzentration der Macht voranschreitet, merkt der untere Mittelstand, dass immer nur wenige übrig bleiben.

    Regionen ohne Arbeit, in denen in den letzten fünfzig Jahren mühsam eine Bürgerlichkeit aufgebaut wurde, stellen heute fest, dass das Jobcenter Jagd macht und ihre Immobilien nichts mehr wert sind. Der Staat entmündigt die Betroffenen durch die Bedarfsgemeinschaft (Sippenhaft) und zwingt sie, Vermögen unter Wert zu verkaufen. Die ohnehin schon geringe Eigentumsquote in Deutschland verschlechtert sich weiter.

    Mit Bürgergesellschaft hat das nichts mehr zu tun. Es ist der Ausdruck davon, wie wir Stück für Stück die Zivilisation aufgeben und die Worte im Grundgesetz nichts mehr wert sind, weil wir uns nicht danach ausstrecken. Wenn der Mieter dem noch zujubelt, weil er gleiche Rechte mit Gleichmacherei verwechselt, ist das der direkte Weg in die Barbarei.

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  • Der zivilisatorische Zyklus der Elitenbildung

    Die Zivilisation endet, wenn nicht mehr alle daran beteiligt sind. Eliten, die die Beteiligung aller Bürger hintertreiben, beenden auf lange Sicht die Zivilisation selbst.

    Die Geschichte zeigt, dass die Beteiligung aller immer dann am stärksten war, wenn die Barbarei gerade überwunden wurde – die Durchlässigkeit und Selbstorganisation erreichten ihren Höhepunkt. Doch es dauert keine zwanzig bis dreißig Jahre, bis sich das System mit Regeln immer mehr einschränkt, Eliten bildet und die Bürgergesellschaft zerstört. Philosophien wie das Hirtenbild Sloterdijks dienen als intellektuelle Stütze für diese Elitenherrschaft.

    Es gibt keine wirkliche Zivilisation, die die Menschenrechte und die Gleichheit aller Menschen ignoriert. Was sich dann als Bürgertum tarnt, ist in Wirklichkeit eine Bourgeoisie, die lediglich eine Zwischenstufe zur Oligarchie bildet. Sind die Machtkulminationen vollendet, landen wir unweigerlich in der Tyrannei.

    Die Zivilisationsdecke ist schnell zerstört: Frankreich landete nach der Französischen Revolution bei Napoleon. Das treffendere Wort heute wäre wohl Bürgergesellschaft, da der Begriff Zivilisation durch die jahrhundertelange Ungleichheit seiner Bedeutung enthoben wurde.

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  • Die Zivilisation: Die dünne Decke derGleichheit

    Die Zivilisationsdecke ist extrem dünn. Weder hat sich ein Weltbürger durchgesetzt, noch herrscht eine gemeinsame Anschauung der Welt. Zivilisation wird erst durch die Gesamtheit der Entscheidungen ihrer Bürger, der polites, herausgebildet. Die Zivilgesellschaft ist ihrem Wesen nach eine Bürgergesellschaft.

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  • Die Kulturlosigkeit der Überflutung

    Dieser rasende Verfall wichtiger Informationsträger in Kombination mit der Flut der kulturellen Schöpfungen führt dazu, dass wir kulturlos werden. Wir verlieren die Fähigkeit, nachzuvollziehen, was auf die Menschen vor der großen Barbarei des Zweiten Weltkriegs einwirkte.

    Die Zerstörung des kulturellen Gedächtnisses durch Vernachlässigung und technologisches Diktat ist eine direkte Folge des globalen Manchesterkapitalismus und der Ethik-Ignoranz der Elite. Eine gemeinsame Sache muss die kulturelle Vielfalt als Überlebensnotwendigkeit begreifen und dem Diktat der Wirtschaftlichkeit die Pflege der Tradition entgegensetzen.

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  • Das Diktat des Wandels und der Verlust derNachhaltigkeit

    Kultur und Gesellschaft sind eng miteinander verknüpft und einem stetigen, sich beschleunigenden Wandel unterworfen. Vor achthundert Jahren nähten wir unsere Kleider selbst; im Zeitalter des Hauptmanns von Köpenick war der Schneider noch selbstverständlich; heute ist die gesamte Kleiderproduktion in Konfektionsgrößen irgendwo in Bangladesh und China angesiedelt.

    Die Geschwindigkeit dieses Wandels ist verheerend. Kaum ist eine Ausbildungsverordnung beschlossen, sind die vermittelten Inhalte schon veraltet (z.B. der schnelle Wechsel von Yellowcable zu WLAN). Nachhaltigkeit und Beständigkeit werden geopfert.

    Nicht alles ist schützenswert. Aber kulturelle Informationsträger wie Steintafeln und Bücher waren haltbarer als unsere modernen Datenträger, deren Haltbarkeit kaum zwanzig Jahre beträgt. Selbst kulturhistorisch bedeutsame Werke wie Fritz Langs Metropolis konnten nur mit Mühe und Not gerettet werden. Eine Vielzahl von Filmen der Vorkriegszeit ist bereits unwiederbringlich verloren.

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  • Kultur als immaterielles Erbe und fehlender Respekt

    Die UNESCO versucht zurecht, das immaterielle Kulturerbe der Weltgesellschaft zu schützen: mündlich überlieferte Traditionen, darstellende Künste, gesellschaftliche Bräuche und traditionelle Handwerkstechniken. Doch wie bei den Menschenrechten fehlt in der täglichen Politik der Respekt vor diesen Werten.

    Die industrielle Produktion und die Wirtschaftlichkeit sind jeweils weit wichtiger als die unterschiedlichen Kulturerben. Es scheint, als könnten wir es uns nicht leisten, vergangene Schaffensformen zu pflegen und aufrechtzuerhalten.

    Kulturpolitik wird dabei oft nur als Kunstpolitik betrieben – gefördert wird, was die Mehrheit und die jeweilige Elite unter „Kultur“ verstehen. Dabei wären gerade die aussterbenden Minderheitskulturen besonders förderungswürdig.

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  • Die Kultur: Die Vernachlässigung der Vielfalt und der rasende Verfall

    Die Kultur umfasst die unsichtbaren Regeln, die unser Zusammenleben formen – ob wir mit Messer und Gabel, mit Stäbchen oder mit Händen essen, ob wir Hände schütteln oder uns umarmen. Diese Regeln sind in der jeweiligen Kultur verankert und bedürfen keiner staatlichen Gesetze. Multikulturelle Umgebungen sind immer Kompromisse, da man nicht gleichzeitig mit den Händen isst und eine Visitenkarte mit beiden Händen überreicht.

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  • Die Homogenisierung der Weltgesellschaft

    Vor zweihundert Jahren gab es noch Nischen mit tatsächlich anderen, alternativen Kulturen. Heute leben wir in einer Weltgesellschaft. Zwar gibt es noch Unterschiede, aber innerhalb börsennotierter Weltunternehmen sind diese minimal. Allein die Art des Wirtschaftens ist weltweit identisch, wenn ein Unternehmen an der New Yorker Börse gelistet sein will.

    Diese Homogenisierung des Denkens und Handelns, die dem globalen Kapitalismus dient, macht es umso dringender, die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft zu überwinden und sich der gemeinsamen Sache als einer universellen, kulturell übergreifenden Aufgabe zuzuwenden. Der Mensch muss sich seiner Abhängigkeit von der Tradition und seiner eigenen intellektuellen Beschränktheit bewusst werden, um das Muster der Selbstzerstörung zu durchbrechen.

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  • Die Begrenzung der Erfahrung

    Doch es scheint nichts zu nützen: Der Mensch neigt dazu, sich in die gleiche Richtung zu entwickeln, sobald der letzte Krieg nur weit genug entfernt ist und die letzten Überlebenden gestorben sind. Es ist kaum hundert Jahre her, dass Bündnispartner aufgrund eines Einzeltäters in den weltweiten Krieg zogen.

    Die Geschichten dieser Kriege werden zwar erzählt und tradiert, aber das Erlebte – die unmittelbare Hölle – kann nicht weitergegeben werden. Die Erfahrung des Hasses und des Krieges ist nicht naturwissenschaftlich nachvollziehbar. Der Mensch ist in seiner Vorstellung begrenzt.

    Wer mit abschließbaren Türen aufgewachsen ist, kann sich die friedliche Welt ohne Zäune kaum vorstellen (wie im Beispiel der Maya). Wir sind unfähig zu erkennen, wie uns die alltäglichen Traditionen prägen und unsere Vorstellungskraft begrenzen.

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