Hannah Arendt hat in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1951) gezeigt, wie totalitäre Systeme Werte als ideologische Setzungen missbrauchen. Totalitarismen erklären bestimmte Werte (z. B. „Volk“, „Reinheit“, „Nation“) zu unhinterfragbaren Axiomen und unterwerfen alle Lebensbereiche diesen Setzungen. Gerade darin liegt für Arendt das Spezifikum des Totalitarismus: Er verwandelt Werte in dogmatische Legitimationsquellen, die keine Kritik mehr zulassen.1
Wert als Differenz und Setzung: Arendt sieht Werte als politisch und historisch konstruierte Größen, die nur im Kontext sozialer und kultureller Ordnungen Bedeutung erlangen.
Gefährliche Setzungen: Ihr zentrales Anliegen ist die Analyse totalitärer Systeme, die eigene Werte (Volk, Nation, Rasse) zu dogmatischen Axiomen erklären. Diese dienen nicht der Orientierung, sondern der Rechtfertigung von Unterdrückung und Vernichtung.2
Moralische Bewertung: Arendt insistiert darauf, dass formale Wertsetzungen nicht automatisch moralisch bindend sind. Innere Maßstäbe und Reflexion sind notwendig, um destruktive Wertsetzungen zu erkennen und ihnen zu widerstehen.3
Werte als Axiome: In totalitären Regimen erstarren Werte zu dogmatischen, unhinterfragbaren Axiomen. Arendt betont die Notwendigkeit, solche „Axiome“ immer wieder kritisch aufzubrechen, um die Freiheit menschlichen Handelns zu bewahren.4
1Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (München: Piper, 1955 [zuerst engl. 1951]).
2Ebd., Teil III: Totalitarismus
3Hannah Arendt, Über das Böse. Eine Vorlesung zu Fragen der Ethik (München: Piper, 2006 [zuerst 1965])
4Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben (München: Piper, 1960)
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