Die vorangegangene Analyse des Wertbegriffs – von der Philosophie über die Soziologie und Rechtswissenschaft bis zur Ökonomie und Politikwissenschaft – hat eine zentrale These bestätigt und vertieft: Werte sind keine absoluten oder metaphysischen Entitäten, sondern transdisziplinäre Konzepte, die sich fundamental aus einer Differenz zu ihrem Gegenteil speisen. Diese relationale Struktur bildet die Grundlage für ihre Funktion als Orientierungspunkte in komplexen Gesellschaften.
Werte als Differenz, Setzung und Axiom: Ein Gesamtbild
Die Untersuchung hat gezeigt, dass die zentralen Konzepte Differenz, Setzung und Axiom in jeder Disziplin wiederkehren:
- Werte als Differenz: Ob es sich um Kants Unterscheidung zwischen Würde und Preis, Marx’ Differenz zwischen Gebrauchswert und Tauschwert oder Luhmanns Unterscheidung zwischen „wahr/unwahr“ handelt: Wert entsteht immer erst im Verhältnis zu einem Nicht-Wert.
- Werte als Setzung: Jede Disziplin demonstriert, dass Werte nicht einfach existieren, sondern in einem sozialen Prozess gesetzt werden. Philosophische Setzungen (Nietzsches „Umwertung“), soziologische (Parsons‘ kulturelle Muster), rechtliche (die Menschenwürde im Grundgesetz) oder ökonomische (der subjektive Wert des Grenznutzens) prägen die jeweilige Feldlogik.
- Werte als Axiome: Trotz ihrer Kontingenz wirken Werte oft wie Axiome – wie grundlegende, nicht weiter ableitbare Annahmen, die dennoch für die Funktionsfähigkeit von Systemen unerlässlich sind. Die Menschenwürde im Verfassungsrecht, Freiheit und Gleichheit in der politischen Philosophie (Rawls) oder der erwartete Nutzen in der Spieltheorie sind Beispiele für solche leitenden Axiome.
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