Die Analyse von Werten und Nichtwerten

Die wissenschaftlich fruchtbarste Erkenntnis ist, dass es nicht genügt, nur die „Werte“ zu analysieren. Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Konstruktion von „Nichtwerten“ und den Prozessen der Ausgrenzung, die diesen zugrunde liegen.

  • Hannah Arendt lehrte uns, dass totalitäre Regime „Unwerte“ (wie bestimmte Völker oder Gruppen) konstruieren, um ideologische Werte (wie die „Reinheit der Rasse“) dogmatisch zu setzen und zu legitimieren.
  • Im Rechtswesen zeigt sich die Gefahr darin, dass formale „Werte“ (wie Gehorsam gegenüber Gesetzen) genutzt werden, um Unrecht zu legalisieren.
  • In der Ökonomie kann die einseitige Fixierung auf „Werte“ wie Effizienz zur Folge haben, dass die daraus resultierenden „Nichtwerte“ wie Ungleichheit und Ausbeutung legitimiert werden.

Werte sind also notwendige Orientierungsgrößen. Ihre größte Gefahr liegt jedoch darin, dass sie ihre funktionale, relationale Natur verlieren und zu starren Dogmen erstarren. Die Aufgabe von Wissenschaft und Gesellschaft ist es, die Prozesse der Wertbildung – und der Ausgrenzung des Nichtwerts – kontinuierlich zu hinterfragen, um die Grundlage für eine offene, plurale und gerechte Gesellschaft zu bewahren.

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