Der Ruf nach innerer Überzeugung

Wenn eine Gesellschaft als Ganzes friedlich wäre, bräuchte man keine Waffengesetze, da niemand es für notwendig erachten würde, Waffen zu tragen. Es kommt auf den Gemeinsinn einer Gemeinschaft an und auf die Tragweite der gemeinsamen Beschlüsse. Das Beispiel der Maya, die auf Türen verzichten konnten, mag unglaublich erscheinen, zeigt aber, dass Verzicht und Gemeinschaftsgeist stärker sein können als technische Sicherung.

Wenn nicht die gleichen ethischen Grundsätze vorliegen, helfen auch Gesetze recht wenig. Eine menschliche Gemeinschaft müsste aus innerer Überzeugung auf Gewalt und Waffen verzichten. Doch hat das bisher keine Gesellschaft auf Dauer geschafft.

Der Erfolg von Mohandas Karamchand Gandhi und seinem gewaltfreien Widerstand war möglicherweise nur deswegen möglich, weil das britische Empire selbst noch einen Konsens darüber hatte, welche Gewalt als zulässig und welche als unzulässig galt – also einen gemeinsamen, wenn auch unvollkommenen, ethischen Rahmen.

Gesetze sind nichts wert, wenn sie ethisch nicht verankert sind und die gemeinsame Sache darin nicht eine Übereinkunft erzielt hat, die über die reine Rationalität der Macht hinausgeht. Der Appell an die Vernunft allein ist unzureichend; er muss durch den Mut zur Ethik ergänzt werden.

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