Behavioral Economics

Die Verhaltensökonomik (u. a. Daniel Kahneman1, Richard Thaler2) hat den subjektiven Wertbegriff weiterentwickelt. Sie zeigt, dass Menschen nicht streng rational handeln, sondern Wertzuschreibungen durch kognitive Verzerrungen, Heuristiken und soziale Vergleiche geprägt sind. Beispiele sind der Framing-Effekt (der gleiche Sachverhalt erscheint unterschiedlich wertvoll, je nach Darstellung) oder die Verlustaversion (Verluste werden stärker gewichtet als gleich große Gewinne). Wert ist also nicht nur subjektiv, sondern auch psychologisch und sozial konstruiert.34

Wertepluralismus in der Ökonomie

Die modernen Ansätze zeigen, dass es in der Ökonomie nicht mehr nur um den „Preis“ als Ausdruck des Wertes geht. Vielmehr überlagern sich verschiedene Wertdimensionen:

  • Ökonomischer Wert (Preis, Gewinn, Effizienz),
  • Sozialer Wert (Fairness, Teilhabe),
  • Ökologischer Wert (Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung).

Dieser Pluralismus verdeutlicht, dass ökonomische Werte nicht isoliert existieren, sondern eingebettet sind in gesellschaftliche Debatten und politische Entscheidungen.

Zusammenfassung

Die neueren Ansätze führen die Linie deiner allgemeinen Wertanalyse konsequent fort:

  • Wert als Differenz (z. B. Verlust vs. Gewinn, nachhaltiges vs. nicht-nachhaltiges Handeln).
  • Wert als Setzung (gesellschaftlich formulierte Leitbilder wie „Nachhaltigkeit“ oder „Transparenz“).
  • Gefährliche Setzungen (wenn Unternehmen „Werte“ instrumentalisieren, um Greenwashing oder Profitinteressen zu verschleiern).

Damit wird deutlich: In der zeitgenössischen Wirtschaft ist Wert nicht mehr nur eine Frage von Preisen und Märkten, sondern ein komplexes Geflecht aus ökonomischen, sozialen und normativen Dimensionen.


1Daniel Kahneman / Amos Tversky: „Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk“ (Econometrica, 1979) – Grundlagentext der Behavioral Economics.

2Richard H. Thaler / Cass R. Sunstein: Nudge: Improving Decisions about Health, Wealth, and Happiness (2008)

3Milton Friedman: „The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits“ (New York Times Magazine, 1970) – CSR-kritische Position

4Archie B. Carroll: „The Pyramid of Corporate Social Responsibility“ (Business Horizons, 1991) – Standardmodell für CSR.

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