Die Hybris der ethiklosen Elite

Konzerne stecken ihre Terrains weltweit ab und fühlen sich der Gemeinschaft, der res publica, überhaupt nicht mehr verbunden. Sie rekrutieren ihr Personal aus einer Schar von karrieregeilen, jungen, ethiklosen Menschen, die denjenigen als Spinner abtun, der eine solche Chance aus ethischen Gründen ausschlägt. Wer in dieser Maschinerie nicht bis zum vierzigsten Lebensjahr eine bestimmte Karrierestufe erreicht, wird vom System ausgespuckt und durch den nächsten Nachwuchs ersetzt.

Die Berufspolitik bildet diesen Nachwuchs willfährig aus und vernachlässigt das Humboldtsche Ideal von Bildung und Geist. Es geht nur noch um Pseudobildung, die gerade ausreicht, um das Ganze nicht gar zu billig erscheinen zu lassen.

Diese erfolgreiche Elite ist der Hybris erlegen, ihre Position sei ihre Leistung. Dabei sind sie lediglich Lottogewinner; wahrscheinlich ständen fünfzig andere Menschen bereit, ihre Arbeit genauso gut zu erledigen. Aufgrund dieser Selbstüberschätzung gestatten sie sich Gehälter und Altersversorgungen, die das Hundert- bis Zweihundertfache eines normalen Arbeitnehmers in einem westlichen Land betragen. Dieses Maß an Ungleichheit wird selbst bei superreichen Gründern fortgesetzt, die vom System irgendwann ausgespuckt und zum bloßen Aktionär degradiert werden.

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